02.09.2014

KEMPEN:
Der Rasen ist erst vor wenigen Tagen gesät worden. Langsam stoßen erste grüne Halme durch den Erde-Sand-Mix hindurch. Im noch nicht fertiggestellten Schuppen lagern derweil Steine und Hölzer, die darauf warten, verbaut zu werden. Das Mehrgenerationenhaus am Alten Prozessionsweg durchläuft gut ein halbes Jahr, nachdem die Bewohner eingezogen sind, noch eine Entwicklungsphase. Zwar sind alle 20 Wohneinheiten in dem Haus, das Bewohner unterschiedlichen Alters und jedweder Herkunft unter einem Dach vereint, längst bezogen. Aber die Gemeinschaftsflächen sind noch mit dem sprichwörtlichen zarten Pflänzchen zu vergleichen, das gedeihen muss.

RP-FOTO: KAISER


Aktuell gestalten die Bewohner ihren großzügigen Garten. "Es gehört zu unserem Grundsatz, dass sich jeder Bewohner bei den Gemeinschaftsarbeiten einbringt. Das geschieht meistens samtags. Dann kommen wir alle zusammen, und wer körperlich nicht so gut zurechtkommt, der kümmert sich eben um die Verpflegung", erklärt Ursula Kurth, als sie jetzt beim Tag der offenen Tür Besucher über die Anlage führt.
Die 62-jährige ist stolz darauf, dass die Bewohner während der Bauphase alle gestalterischen Entscheidungen selbst getroffen haben. "Das ist zu 100 Prozent unser Haus", sagt Kurth. Damit die Gemeinschaft um den jüngsten Bewohner Malik (3) und das älteste Mitglied Margret Strasser nicht nur räumlich, sondern auch fortwährend sozial geeint ist, haben die Bewohner erst kürzlich einen Verhaltenskodex mit zehn Regeln erarbeitet. Der hängt jeztz im Gruppenraum und ist somit ständig präsent.

Bei den Besuchern kommt das Konzept gut an. "Ich finde es sehr spannend, dass hier Jung und Alt in einer Gemeinschaft zusammenleben. Wenn ich nicht selbst ein Haus hätte, käme das für mich als Wohnform auch in Frage" sagt die 68-jährige Rose-Marie Wersch. Und auch Hildegard Cyrlis, die das Projekt als Freundin einer Hausbewohnerin vom ersten Spatenstich an verfolgt, ist angetan. "Das ist alles sehr schön geworden", findet sie. Und das Haus Haus wächst weiter, wenn auch nur marginal: Derzeit entsteht noch eine weitere Wohnung auf dem Komplex. "Danach ist aber Schluss" sagt Bewohnerin Ursula Kurth. Das hänge damit zusammen, dass Experten solche Projekte nur bis zu einer bestimmten Größe als sinnvoll erachteten.

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